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Santa Monica – wir sind hier – das Ziel ist erreicht!

Start: Phelan CA
Ziel: Santa Monica CA
Fahrzeit: 5h49
Ankunftszeit: 16h45 Santa Monica CA – End of Route 66
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 153 // Xaver: 3’617 & Wolfgang: 2’623
-Young Boys: 153 // 5’184

Nicht ganz so wie dieser super Typ sind wir durch Los Angeles gekurvt:

http://m.youtube.com/?reason=8&rdm=6873#/watch?v=7ZmJtYaUTa0

Heute ist der 14. Oktober – ein Tag zum erinnern, einfach aus verschiedenen Gründen:

1. Felix Baumgartner hat erfolgreich seinen Sprung mit dem Fallschirm aus 36km absolviert

2. Die ausgemusterte Raumfähre “Endeavour” kriecht ins Museum in Los Angeles

3. Die JMZ-Crew erreicht das Ende der Route 66 am Santa Monica Pier

Um 08h30 machte unser CTO die “Befehlsausgabe” für die zweitletzte Etappe. Gestern Abend hat Markus, wie auch Heinz, noch lange die heutige Route studiert und auf Karten eingezeichnet. Wir alle hatten sehr grossen Respekt vom “Verkehrsmonster” Los Angeles. Man stelle sich vor, wir hatten gut 150km vor uns und praktisch alles in der Gross-Stadt L.A. Die ersten 25km sollten wieder auf der I15, der Autobahn, absolviert werden, dh. wieder eine illegale Verschiebung.

Motiviert fuhren wir los und liessen uns sogleich von der Autobahn aufsaugen. Nach nicht einmal einem Km hatte es ein Schild, das auf die Route 66 hinwies, was ich Markus sagte. Wir hielten kurz an, besprachen uns und verliessen die Autobahn wieder. Man stelle sich vor, gestern hat Markus viel Zeit in die Routenwahl investiert und dann nach nicht einmal 5 Min. macht ein Teammitglied diesen Vorschlag und nach kurzem Überlegen wird der Vorschlag angenommen: ganz grosses Kompliment an den CTO, das sind wahre Leaderfähigkeiten.

Es war wie eine Geschenk zum herrlichen Sonntagmorgen: es folgte eine Abfahrt, abseits der Autobahn durch eine wunderbare Landschaft und das ganz ohne Verkehr, ja und Rückenwind hatten wir auch noch. Wir flogen nur so über die Strasse und waren im Nu in San Bernadino, das wir eigentlich links liegen lassen wollten, um Zeit zu sparen. Keiner hat sich über diesen Umweg aufgeregt, im Gegenteil zu sehr waren wir noch auf Wolke sieben von der Abfahrt.

Mit Seitenwind ging es weiter in die Stadt hinein und es hatte A) praktisch keinen Verkehr, B) hatten wir Rückenwind, C) ging es immer irgendwie leicht bergab und D) hatten wir so Zeit zum Plaudern.

Um 12h00 sahen wir zum ersten mal am Horizont die Skyline von Los Angeles und es ging nicht mehr lange bis zum Mittagshalt, der nach 80km geplant war. Mittlerweile war es mehr als 37 Grad heiss und im Camper, nach wiederholtem Kartenstudium, wurde entschieden, dass wir es heute nun voll durchziehen bis an den Santa Monica Pier und nicht wie geplant mit einer weiteren Übernachtung und dem Endspurt am Montag. Zu günstig war die Verkehrssituation und kilometermässig war es gut machbar. Also Telefon ins Hotel, schauen ob wir auch einen Tag früher anreisen können, abgleichen der Karte, Bidon füllen und full attack.

Es wurde eine Triumphfahrt, für jeden auf seine Art, doch alle hatten wir dieses unbeschreibliche Lächeln im Gesicht, das man nur hat, wenn man etwas ganz spezielles geleistet oder erreicht hat.

Wir fuhren durch diese so grosse Stadt und das erwartete und befürchtete “Verkehrsmonster Los Angeles” blieb heute ganz zahm, ja es war eine richtige “Streichelkatze”. Unser Weg führte uns auch an Downtown vorbei und da verfuhren wir uns leicht, doch es war mehr eine zusätzliche Sightseeingtour. Mit dem Befahren des Stadtteils “Beverly Hills” realisierten wir, dass wir kurz vor dem Ziel sind. Noch ein letzter Stopp in einem Restaurant, ein Telefon an Heinz, damit er sich am Pier “einrichten” konnte und los ging es.

Nun ging es sehr schnell. Wir fuhren an meiner alten Heimat vorbei, die ich 1995/96, während einem Auslandjahr bei der Credit Suisse AG, bewohnt hatte. Ich begann die Strassennahmen hinunterzuzählen.

23ste Strasse, 22ste Strasse, die Sonne geht langsam unter, steht vor uns, wir fliegen dem Ziel entgegen. 7th street ich zünde mir eine Zigarre an und fahre rauchend die letzten Kilometer bis zum Pier. Bei jedem Rotlicht schauen, nein! strahlen wir uns an. Und dann liegt er vor uns: der Pazifik und der Santa Monica Pier – ich kann es nicht in Worte fassen, denn es sind nur noch Emotionen.

Wir fahren den Pier hinunter, es hat viel Leute, Touristen, Tagesausflügler, alles unsere Fans? Für mich ist das so, denn wir haben grosses Geleistet. Dann sehen wir den filmenden Heinz und fahren winkend auf ihn zu, zum Ende der Route 66. Wir umarmen uns, werden ruhig und sind einfach unendlich dankbar, dass wir alle gesund und munter angekommen sind. Heinz hat einen Apero für uns vorbereitet und wir stossen mit Champagner an.

Einmal mehr stösst eine Polizist zu uns und wir wollen ein Foto mit ihm machen, was ihn nicht stört und schon gar nicht, als er erfährt was wir gerade zu einem Abschluss gebracht haben und als er die beiden offenen Champagnerflaschen sah, meinte er nur: “totally illegeal, but you deserve it”

Physisch sind wir nach mehr als 5’000km am Ziel angekommen, doch psychisch sind wir es noch nicht und das wird auch noch einige Zeit brauchen, bis wir das so richtig realisieren.

Zahlen der Reise vom Atlantik zum Pazifik:

>Total: 32 Etappen mit nur 5 Ruhetage, dh. Total Reisezeit: 37 Tage
>Durchschnitt von: 162 km pro Fahrtag
>Höhenmeter: 31’698
>Total Zeit im Velosattel: 199 Std und 40 Min
>Durchschnittsgeschwindigkeit von 25.9 KmH

Materialschäden:
Markus:
>Plattfüsse: keine
>Speichenbruch: 1
>eine neue Kette
>dreimal Service an der Nabe vom Hinterrrad

Andreas:
>Plattfüsse: 4
>Speichenbruch: 1
>zwei neue Ketten

Ein sehr grosses Lob an das Material, das einen super Job geleistet hat und sehr grossen Belastungen ausgesetzt gewesen ist.

Das dürfte der letzte Blog gewesen sein, denn ich glaube nicht, dass die Leser noch wissen wollen, wie wir die letzten vier Tage hier in Los Angeles verbringen werden, mit Camper putzten, retournieren, Velo einpacken und einfach nur chillen und shoppen. Ich danke Euch allen für die Zeit, die Ihr mit dem Lesen und kommentieren der Blogs verbracht habt – mir hat es grossen Spass gemacht.

Das Abenteuer “Jede Meile zählt” ist nun aber noch nicht abgeschlossen, denn nun gilt es den Kassensturz zu machen und zu schauen, was wir zusammen eingefahren haben für ROKJ. Wir träumen von CHF 100’000.–, die wir am Schlussfest vom 10.11.12 in Form eines Checks gerne übergeben werden. Jeder Franken wird im Leben eines Kindes oder einem Jugendlichen einen Unterschied machen, so wie jeder Kilometer bei uns einen Unterschied gemacht hat – wir haben also von einander gegenseitig profitiert: DANKE!

Es war eine grosse Herausforderung für uns alle, doch ein unvergessliches Erlebnis, wenn nicht ein “once in a lifetime experience”. Viel haben wir gelernt, viele Sympathien und Unterstützung durften wir im Vorfeld und während der Tour erfahren. Ein ganz grosses Dankeschön geht an unsere Sachsponsoren, an unsere sehr vielen Spender und ganz besonders an unsere Lieben, die auf uns verzichteten und uns so stark motivierten und unterstützten beim Realisieren eines Traumes (mit Betonung auf einem Traum, denn wir haben noch mehrere).

Wir werden am 19.10. um 15h45 mit LX41 in Zürich ankommen.

Fazit:
Wir können das Leben nicht anhalten, doch wir können anhalten um zu leben!

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Movie = Exit to the Marine Corps

Die letzten drei Fahrtage sind angebrochen. Das Ziel ist sehr nahe.

Start: Ludlow CA
Ziel: Phelan CA
Fahrzeit: 6h55
Ankunftszeit: 17h15 Phelan CA
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 177 // Xaver: 3’464 & Wolfgang: 2’470
-Young Boys: 177 // 5’031

Da wir ja gestern alle sehr früh ins Bett gingen, war heute bereits um 06h00 Frühstückszeit. In diesem verlassenen Ludlow ist das möglich und schlecht war es auch nicht, im Gegenteil ein währschaftes US-Frühstück.
Schön war auch zu erleben wie der Tag erwacht und das Licht immer voller wurde durch die aufgehende Sonne. Bei kühlen 11 Grad ging es los – three more riding days.

Vom jungen “Velopaar” haben wir gestern erfahren, dass die frontage road in einem sehr schlechten Zustand ist und so entschieden wir direkt auf die I40 zu gehen. Oh Schreck, das war nicht viel besser, denn die “shoulder” war wieder ein Schüttelbecher oder voll mit Kies und Müll. Aus Mangel an Alternativen zogen wir es durch und fuhren bis “Barstow”, was erst nach gut 80km kam. Zur Abwechslung gab es wieder einmal eine “Vollnahrung” aus dem McDonald. Es scheint, dass die beiden Chefs so langsam aber sicher auch Gefallen finden an diesem Food. Das Gute am MC ist, dass es immer ein offenes WIFI hat, so dass wir den gestrigen Blog noch raufladen konnten. Sorry für die Verspätung.

Auf der gutbeschrifteten Route 66 ging es von Barslow in Richtung Victorville. Diese Strasse war der Hammer, wie auf einer Achterbahn ging es sanft rauf und runter, so dass wir praktisch immer Vollgas geben konnten. So freudig das Velofahren war, so trist war das was wir neben der Strasse zu sehen bekamen. Die Gegend ist dünn besiedelt und wenn es Grundstücke hat, sind diese primär in einem erbärmlichen Zustand und überall liegt Müll herum. Ich kann nicht verstehen, dass soviel Müll liegen gelassen oder einfach aus dem fahrenden Auto geworfen wird. Es hat immer wieder Strassenabschnitte, die wieder in einem schlechten Zustand sind und unsere Hinterteile einmal mehr malträtieren, zum Glück sind diese nach so vielen Reisetagen bereits sehr robust – ist eben schon gut, wenn man diese jeden Abend und jeden Morgen schmiert und cremt.

Heute ist wohl die letzte Etappe, die es ohne Probleme zulässt, dass wir unsere Gedanken auf Reisen senden, während der Körper arbeitet. In diesem Zustand passiert folgendes:

Distanz und Zeit verschmelzen zu etwas kurzem und überschaubarem. Warum ist dem so, wahrscheinlich weil wir uns um nichts weiteres kümmern müssen, ausser dem Velofahren und dem Erreichen des gesetzten Ziels, doch nicht zu einer bestimmten Zeit.

Mit dem Erreichen von Victorville nach rund 140km, ist auch der Zeitpunkt erreicht, bei dem wir in den Grossraum vom Moloch Los Angeles eintauchen. Der Verkehr nimmt spürbar zu und alles wird hektischer. Heinz fuhr 30km voraus, um für uns ein Hotel zu reservieren und wir wollten ihm via Route 66 folgen. Denkste, kaum waren wir 5km gefahren stand eine Tafel am Strassenrand, das uns auf das Ende der Route 66 aufmerksam machte und wir sollen doch auf die I15 (ist natürlich eine Autobahn) gehen, denn diese führe uns zur Fortsetzung der Route 66.

Es ist uns schon klar, dass wir nicht mehr auf die Autobahn dürfen, denn die Schilder sind unmissverständlich, doch es ist der schnellste und einfachste Weg. Der Pannenstreifen war gute 2m breit und so wagten wir es. Die nächsten 20km ging es immer leicht bergauf, man merkte es fast nicht, denn der massive Verkehr auf der Autobahn lenkte entsprechend ab. Heikel sind jeweils die Autbahnein- und ausfahrten, denn dann müssen wir kreuzen und die Autos kommen teilweise schon sehr schnell und sind nicht immer gleich happy uns Velofahrer zu sehen. Mittlerweile sind wir aber nach einigen hundert Kilometer Autobahnfahren sehr geübt, um nicht zu sagen routiniert.

Kurz vor dem Ende des sanften Aufstieges auf den Cajon Summit, auf ca. 1’200 MüM, verliessen wir via Einfahrt die Autobahn und fuhren direkt in die Arme der Highway Patrol. Der Sheriff wollte wissen, ob wir die gewesen seien, die die letzten 20km auf der Autobahn gefahren seien und wir hätten doch sicher auch die grossen Verbotsschilder gesehen. Nett und freundlich erklärte unser CTO die Situation, von wegen Route 66 gehe via I15 und wir uns ja auch nicht wohl fühlen und ob er uns eine Alternative hätte. Gleichzeitig erzählten wir von unserer Reise und das war der Augenblick in dem er seine Sonnenbrille abnahm und uns freundlich und ungläubig anschaute. Ja eine Alternative gebe es nicht, im Gegenteil auf dem kommenden Abschnitt dürfen wir mit dem Velo auf die I15, was wir dann auch machten.

Es folgte eine Abfahrt, die wohl landschaftlich super war, doch velofahrtechnisch alles andere wie super – ein mega Schüttelbecher eben. Da wir ja nun noch mit mehr Speed unterwegs sind, sind die Schläge noch intensiver. Zum Glück waren es nur noch 8km bis ins Ziel, dem Best Western in Phelan. Leicht shaky aber sehr zufrieden über das Geleistete fuhren wir im Ziel ein. Schlossen den Tag mit dem obligaten (dem letzten, den das Pulver ist nun auch zu ende) Recoveryshake und dem Siegerbier ab. Das Nachtessen hatten wir vom Fastfoodrestaurant “Deltacco”. Noch vor zwei Wochen hätte ein solches Nachtessen ein Sturm der Entrüstung bei den Chefs ausgelöst, frei nach dem Motto, da werde einem die Energie fehlen am nächsten Tag und überhaupt…. Mittlerweile ist diesbezüglich auch eine angenehme Gelassenheit eingezogen im Team.

Es ist kaum zu glauben, noch zwei Tage oder knapp 140km trennen uns von Santa Monica – bald ist es vollbracht. An dieser Stelle danke ich allen, die uns aufmunternde Kommentare oder Mails schreiben und uns versuchen auf die kommenden Gefühle und Emotionen vor zu bereiten.

Hier ein Spruch, der stellvertretend sein soll:

Wenn ein Reisender nach Hause zurückkehrt,
soll er nicht die Bräuche seiner Heimat eintauschen
gegen die des fremden Landes.
Nur einige Blumen, von dem, was er in der Ferne gelernt hat,
soll er in die Gewohnheiten seines eigenen Landes einpflanzen.

Fazit:
Die wilde und verlassene Mojavewüste durchquert und die Grossstadt Los Angeles erreicht. Noch zwei Tage bis ans Ziel.

Movie = 1st Day in CaliforniaThe adventure goes on! Die Wüste meinte es sehr gut mit uns.

Start: Las Vegas NV
Ziel: Ludlow CA
Fahrzeit: 5:56
Ankunftszeit: 17h15 Ludlow CA
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 149 // Xaver: 3’287 & Wolfgang: 2’233
-Young Boys: 149 // 4’854

Wie hat es doch gestern gewittert und geregnet in Las Vegas? Heute Morgen erschien alles ganz klar und sauber. Um 07h30 war take off mit dem Camper in Richtung Jct 95/66. Mit einem tränenden und einem lachenden Auge fuhren wir vom Bellagio weg. Was erwartet uns in der Wüste, der Wüste ausserhalb der 2.2 Mio. Metropole Las Vegas, die einem vergessen lässt, dass es noch eine Natur gibt?

Mit einem “Schleicher” bei mir ging es los, dh. der Schlauch verliert langsam aber sicher Luft und darum musste vor dem Start noch ein Schlauchwechsel gemacht werden. Um 10h00 fuhren wir los. Ich übernahm die erste Ablösung und es dauerte einige Zeit, bis die Beine wieder so richtig “drehten”, das hatte aber auch damit zu tun, dass es immer etwas bergauf ging und wir etwas Gegenwind hatten.

Die Temperatur war einfach ideal, nie mehr als 24 Grad und das in der Wüste. Aus dem Buch Route 66 von Dres Balmer erwarteten wir eine Glutofen, doch dem war nicht so. Im Gegenteil, wir mussten auf der Strasse immer wieder vom Regen angeschwemmten Kies ausweichen oder gar unsere Velos darüber tragen. Es ist schwierig sich vorzustellen wie das ist in der Wüste bei einem Gewitter. Auf jeden Fall waren wir sehr froh, dass diese Kühle noch immer in der Luft hing und die vielen Wolken uns einerseits vor der Sonne schützten und andererseits wieder eine wunderschöne Kulisse bildete. Apropos Kulisse: wir hatten wieder einige Rennen mit den langen, sehr langen Zügen der BNSF, die uns hupten und teilweise im gleichen Tempo begleiteten. Spannend war es, wenn die sechs Lokomotiven neben uns fuhren, sehr viel Lärm machten und es mit jedem Meter Abstand leiser wurde, denn wenn der Zug so langsam fährt, dann machen die Wagons auf den Gleisen fast keinen Lärm. Auf der Strasse war sehr wenig Verkehr, doch auf den Schienen schon, sie kamen und gingen in beiden Richtungen.

Die Etappe war gut 150km lang und wir passierten nur gerade vier Orte mit wenig bis gar kein Leben: Goffs, Essex, Cadiz und Amboy. Diese Orte haben definitiv bessere Zeiten erlebt, einerseits als Wasser-Füllstationen für die Züge und andererseits als die Route 66 noch die einzige Verbindung nach L.A. war. Heute sieht man primär Zerfall, Hoffnungslosigkeit und das einzige intakte scheint die Strasse, die Leitplanken und die Natur zu sein. Der Route 66 Mythos ist hier definitiv gestorben und ob dieser je wieder auflebt, wie dies in anderen Gebieten geschehen ist, ist mehr als fraglich.

Und ja, hier auf dieser Strasse sieht man die grössten aufgemalten Route 66 Zeichen, die praktisch die Grösse einer Strassenseite haben und ideale Fotosujet ergeben, da diese oft vor oder am Ende vor Aufstiegen oder endlosen Geraden aufgemalt sind und so super wirken. Wahrscheinlich sollen diese Sujets von der Strassenqualität ablenken, was wohl bei den Autofahrer gelingt, doch bei uns Radfahrer geht es nicht, denn wir spüren es einfach zu hautnah.

Wir überwinden eine Bergkette (sind jeweils nicht sehr hoch, ja kaum spürbar) nach der anderen in sanft dossieren Auf- und Abfahrten und erreichen “Ludlow”. In “Ludlow” ist das erste Motel seit dem Start und es ist ein richtiges Kaff, das zuviel zum Sterben hat, aber auch viel zuwenig zum Leben. Es besteht aus einem Güterbahnhof, einer Tankstelle, einem Motel und einem Restaurant, das bereits um 18h00 schliesst. Wir schafften es gerade noch zum Nachtessen. Wir trafen ein junges Paar, das auch mit den Velos unterwegs ist, doch viel abenteuerlicher als wir. Alles scheint sehr improvisiert zu sein, doch ganz und gar nicht minder happy. Wir assen zusammen Burger und plauderten über die USA und deren Politik. Die beiden sind aus dem Bundesstaat Washington und haben als Ziel den Grand Canyon, wo sie einen Job im November antreten werden. Wir bewunderten ihre unbekümmerte Art und Weise zu reisen und die uns wieder einmal bewusst machten, dass Glück nicht mit Luxus und Geld gekoppelt ist.

Wir mussten noch einige Reparaturen an den verschiedenen Reifen und Pneus vornehmen und da es in diesem Ort kein WIFI hat, hatten wir plötzlich sehr viel Zeit. Den Blog konnten wir wohl vorbereiten, doch für mehr reichte es leider nicht und so war früh Nachtruhe – auch nicht schlecht.

Fazit:
Zum Glück hat uns die Wüste geschont in Bezug auf Hitze und Wind. 150km und praktisch kein Leben. Ludlow ist wohl einer der ganz wenigen Orten in den USA, die kein WIFI haben.

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2. Ruhetag in Las Vegas – Vorbereitung für Endspurt.

Start: Las Vegas NV
Ziel: Las Vegas NV
Fahrzeit: RUHETAG
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 0 // Xaver: 3’138 & Wolfgang: 2’144
-Young Boys: 0 // 4’705

Was eine gute und lange Nacht mit Schlaf bewirken kann, ist einfach wunderbar. Wir trafen uns heute Morgen, wie aus Zufall, in einem der vielen Restaurants zum Frühstück, doch dann trennten sich unsere Wege wieder.

Die Young Boys kümmerten sich um Routenwahl und Hotelreservationen für den kommenden Endspurt. Es sind ja nur noch vier Etappen, die je näher wir ans Ziel kommen, auch immer kürzer werden. Wir werden morgen mit einer etwas längeren starten von gut 150km. Es ist das Ziel Las Vegas früh zu verlassen, denn wir müssen ja zuerst noch mit dem Camper zum Startort fahren, der gut 150km entfernt ist.

Die Old Boys wollten eigentlich eine Tour zum Grand Canyon machen, doch leider wurde infolge schlechtem Wetter die Flüge mit dem Helikopter alle abgesagt. Schade, hätte es den beiden sehr gewünscht diesen Ausflug zu machen, nun müssen sie die USA weiter auf dem Boden erkunden.

Das Bewusstsein, dass es nun wirklich dem Ende zu geht, wird immer stärker und es entstehen immer wieder auch Momente des Schweigens, wenn wir zusammen sind. Natürlich freuen wir uns alle sehr auf unsere Lieben und das Leben Daheim, doch etwas wird zu ende sein, das uns während einer sehr langen Zeit, sehr beschäftigt hat, die letzten vier, resp. sechs Wochen täglich unser Leben war und das soll nun von einem Tag auf den anderen fertig sein? Jeder von uns wird noch einige Zeit brauchen, um die vielen Dinge zu verarbeiten und gedanklich einmal mehr geniessen.

Etwas das mich jeden Tag mit grosser Freude begleitet hat, war die Fähigkeit, mich an ganz kleinen Dingen zu erfreuen, weil ich gedanklich einfach frei war. Die folgende Geschichte beschreibt diesen Zustand sehr gut und ich wünsche mir, dass wir alle (nicht nur die JMZ-Crew) diese Ruhe und Fähigkeit wieder viel bewusster leben.

Die Bohnengeschichte

Von einem Mann, welcher bei bester Gesundheit, fröhlich und vergnügt sehr alt wurde, wird folgendes Lebensrezept erzählt:

Der alte Mann verliess niemals das Haus, ohne zuvor eine Handvoll Bohnen einzustecken. Er tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen. Nein, er nahm sie mit, um die schönen Momente des Tages bewusster wahrzunehmen, und um diese besser zählen zu können.

Für jede positive Kleinigkeit, die er tagsüber erlebte, z.B. einen fröhlichen Gruss auf der Strasse, das Lachen seiner Frau, ein köstliches Mahl, einen feinen Platz in der Mittagshitze, – für alles, was seine Sinne erfreute, liess er eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder drei.

Abends sass er dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der linken Tasche. Er zelebrierte diese Minuten. So führte er sich vor Augen, wie viel Schönes ihm an diesem Tag widerfahren war und freute sich. Und sogar an einem Tag, an dem er bloss eine Bohne zählte, war der Tag gelungen. Es hatte sich zu leben gelohnt.

1. Ruhetag in Las Vegas, in der Stadt, in der es keine Ruhe gibt!

Start: Las Vegas NV
Ziel: Las Vegas NV
Fahrzeit: RUHETAG
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 0 // Xaver: 3’138 & Wolfgang: 2’144
-Young Boys: 0 // 4’705

Heute gibt es wirklich nicht viel zu berichten, denn auf dem Radel waren wir nicht und wie es unser US-Veloprofi auf Facebook passend formuliert hat: “What happens in Vegas, stays in Vegas!” – Es ist nun aber auch nicht so, dass wir “abheben”, im Gegenteil: Ausschlafen, schlendern am Strip, chillen am Pool, Postkartenschreiben und Zigarrenrauchen waren heute primär angesagt.

Die Old Boys begaben sich auf eine “Weiterbildungsreise” in die verschiedenen Hotels und konnten sich mit verschiedenen Arbeitskollegen austauschen. Beide haben ja schon einiges gesehen und erlebt in der Küchenwelt, doch was sie hier sahen und hörten, hat doch alles getopt.

Wie es sich für einen Aufenthalt in Las Vegas gehört, besuchten wir zusammen eine der weltberühmten Shows und wir haben uns für die der “Blue Man Group”
(http://m.youtube.com/?reason=8&rdm=3132#/watch?v=Bk2pC-muS-Q&desktop_uri=%2Fwatch%3Fv%3DBk2pC-muS-Q&gl=DE)
entschieden. Super, doch nicht nach jedem seinem Geschmack.

Stand heute sind sagenhafte 162 Kommentare verfasst worden – mega.
An dieser Stelle danke ich einmal mehr allen, die einen oder immer wieder Kommentare absetzen für uns, die uns wirklich, auch nach 29 Etappen, immer noch sehr freuen.

Mir ist aufgefallen, dass alle Schweizer z.Zt. unter dem gleichen leiden: das Sch… Wetter. Wenn es Euch etwas tröstet, während wir heute am Pool gelegen sind, ist doch wahrhaftig ein Regenschauer über die Stadt gezogen und hat uns alle vertrieben, resp. die Pool-Sicherheitsleute haben den Pool geschlossen und wir mussten alle gehen, wenn es auch unter dem Sonnenschirm kein Problem gewesen wäre, doch so sind die Amis – es könnte ja einer umfallen und dann eine Klage einreichen wollen.

Natürlich haben einige von uns auch versucht den grossen Gewinn beim Spielen zu machen, doch es erging uns wie 99% aller Casinobesucher – Spass gehabt, Einsatz weg und um eine weitere Erfahrung reicher.

Fazit:
Ruhetage tun gut, doch diese stimmen auch traurig, denn es wird einem noch viel mehr bewusst, dass es nur noch wenige Tage sind, bis wir unser “once in a lifetime” Abenteuer abschliessen werden.

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In Las Vegas angekommen – Arizona durchquert.

Start: 08h30 Kingman AZ
Ziel: Jct 95 & 66 CA
Fahrzeit: 5:15
Ankunftszeit: 16h00 Jct 95 & 66 CA
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 131 // Xaver: 3’178 & Wolfgang: 2’144
-Young Boys: 131 // 4’705

Arizona: 672 km, 3’939 hm ist durchquert und wir sind nun in Californien, dem letzten Bundesstaat angekommen und es stehen nur noch vier Velofahrtage an. Doch zuerst machen wir einen Abstecher nach Las Vegas, dem richtigen, im Bundesstaat Nevada.

Vom Hotel in Kingman aus geht es gemächlich bergab bis wir rechts weg müssen auf die Route 40, die uns aus der Stadt führt. Wir verlieren mit jedem Kilometer weiter an Hohe bis wir nur noch auf gut 560 MüM sind und wissen genau, dass wir das alles wieder hinauf müssen.

Mit einem Mal hat es praktisch keinen Verkehr mehr und wir folgen einer endlosen Strasse, die uns direkt an eine Bergkette führt und uns wird klar, da müssen wir rüber. Mittlerweile ist es bereits gegen 30 Grad warm und die Landschaft verändert sich wieder. Es wird wilder und verlassener mit viel Geröll und Kakteen. Wir sind umgeben von Bergketten, die wie Dunst sich erheben und man sich schon fragt, wie die Menschen früher diese Hindernisse überwunden haben.

Bevor die quasi richtige Bergstrasse beginnt, hat es noch eine alte Tankstelle, die mit vielen Raritäten und Spezialitäten der Route 66 verziert ist. Wir lassen es uns einmal mehr nicht nehmen auf Touristen zu machen und eine Serie von Fotos zu schiessen für uns und die Nachwelt.

Dann nehmen wir den “Sitgreaves Pass” in Angriff – ein absolut faszinierende Landschaft offenbart sich uns, die sich mit Worten nur sehr schwer beschreiben lässt und darum erlaube ich mir auf die Fotos zu verweisen. Nur soviel: diese steilen Serpentinen ähneln einem Pass in der Schweiz und frühen uns auf 3’550 Fuss hoch – 1’082 MüM. Oben angekommen sieht man am Horizont in die Mojave Wüste und es steht eine rasante Abfahrt an, die uns nach “‘Oatman” führt.

In Oatman ist “Mufintime”. Es sieht aus wie in einer Wild West Stadt um die Jahrhundertwende, einfach mit vielen Touristen, die aber meistens von der kalifornischen Seite her hinauf gefahren sind. Einmal mehr waren die einzigen Biker, die wir gesehen und getroffen haben die Harleyfahrer! Wer fährt schon Velo in dieser Hitze und dann noch über einen Pass?

Es ging weiter bergab und wir mussten einmal wegen einer kleinen Herde Esel anhalten, die hier oben frei herumlaufen und geschützt sind. Die Landschaft verändert sich abermals: karg, felsig mit vielen Kakteen, die gelbe Blüten haben und es sah immer mehr aus wie auf einem Vulkan oder wie auf dem Mond. Ringsherum sieht man Gebirgszüge und weite Ebenen. Pro 100 Hm, die runter fuhren, wurde es um ein Grad heisser und der Wind, der Gegenwind, nahm zu. Wenn man den Mund etwas zu lange offen hatte, trocknete dieser aus und man musste sehr bald etwas Flüssigkeit aus dem Bidon nehmen. Es ist wie immer in diesen Situationen: zuerst ist Genuss (man fährt elegant und lässig den Pass hinunter), dann kommt die Arbeit und der Fleiss (fahren mit Gegenwind) und dann das Zählen der Kilometer bis zu unserer Oase mit Heinz.

Kurz vor “Topock” treffen wir Heinz und es ist bereits 38 Grad heiss. Nächstes Ziel ist “Needles”, das als einer der heissesten Orte in den USA gilt. Was für ein erhebendes Gefühl, als wir den Rio Colorado überqueren. Es ist Zeit für ein Bad. Wir fahren an einen öffentlichen Strand, sind ganz alleine und gehen baden. Das Wasser ist so erfrischend, geschätzte 22.5 Grad, kristallklar und man glaubt es kaum, man findet Muscheln. Wir springen in den sanft fliessenden Fluss, lassen uns treiben und erfrischen uns von aussen und von innen – es wird dem Fluss nachgesagt, dass er eine reinigende Wirkung hat. Ist man draussen, geht es nur wenige Minuten und man ist wieder ganz trocken, so warm blässt der Wind. Ich hätte noch Stunden dort verbringen können, doch der CTO drängte zur Weiterfahrt.

Kurzes Stück auf der Autobahn I40 und dann weg auf der Route 66 in Richtung Norden bis zur Jct 95 & 66, wo Heinz bereitstand mit dem Camper um zu verladen, damit wir nach Las Vegas fahren können. Es waren wohl nur gerade 30km, doch bei einer Hitze, die mittlerweile 40 Grad erreicht hat und der Tatsache, dass es wieder bergauf geht, machte das Ganze zu einem anstrengenden Unterfangen. Mir kommen diese Situationen vor, wie wenn die Sonne untergeht und es langsam aber sicher dunkel wird – genau so ist es mit unserem Energiespiegel. Die Gruppe wird immer leiser, man fährt nebeneinander, ist in seinen Gedanken versunken und hofft sehr bald am Ziel zu sein, damit die z.T. bedenklich leeren Tanks wieder gefüllt werden können.

Wir nehmen uns nun ein zweitägiges Timeout in Las Vegas und werden uns erholen für den Endspurt nach Los Angeles unserem grossen Ziel. Statt wie im Film Hangover werden wir in Las Vegas Sleep- und Relaxover haben. Für die Old Boys ist es eine Premiere in Las Vegas und die werden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, insbesondere nach diesen Tagen in der Natur und den unendlichen Weiten.

Unser Ziel war das Wynn, doch die hatten bereits eine Auslastung von 96%, ergo waren uns die Zimmerpreise viel zu hoch. Wir waren alle noch im Velodress, mit dem Camper unterwegs und mussten uns nun also auf die weitere Suche nach drei Hotelzimmer machen. Es ist schon speziell, wenn man bei einem solchen grossen Hotel vorfährt und dann nach Hotelzimmer fragt. Well – it worked, wir fanden Zimmer im “Bellagio” und sind sehr happy. Dann kam das Bild für die Götter: wir mit den Velos, Gepäck und in den Velodress liefen wir durch das ganze Hotel zu den Liften. Man schaute uns an wie Ausserirdische und einer Dame von der Security war das wohl zuviel und hielt uns an. Markus konnte sie aber von unseren guten Absichten überzeugen und so ging unser Spaziergang weiter durch das Bellagio – es wird unvergesslich sein.

Das Nachtessen nahmen wir im “Mon Ami Gabi” ein – sehr gut. Wolfgang war in einer super Laune, denn er hatte heute erfahren, dass er die Titelseite der Schweizer Illustrierten ziert und wieder 18 Punkte erhalten hat von “Gault Millau” und ganz besonders stolz ist er auf die 16 Punkte von seinem Sohn Christian (letztesmal waren es noch 15) – ja wir genossen, den von ihm offerierten Wein in vollen Zügen und gratulieren ihm (in Absentia auch Christian) ganz herzlich zu dieser super Leistung.

Fazit:
Pass bezwungen, grosse Hitze, Baden im Rio Colorado, Ruhetage in Las Vegas stehen an.