Movie = Exit to the Marine Corps

Die letzten drei Fahrtage sind angebrochen. Das Ziel ist sehr nahe.

Start: Ludlow CA
Ziel: Phelan CA
Fahrzeit: 6h55
Ankunftszeit: 17h15 Phelan CA
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 177 // Xaver: 3’464 & Wolfgang: 2’470
-Young Boys: 177 // 5’031

Da wir ja gestern alle sehr früh ins Bett gingen, war heute bereits um 06h00 Frühstückszeit. In diesem verlassenen Ludlow ist das möglich und schlecht war es auch nicht, im Gegenteil ein währschaftes US-Frühstück.
Schön war auch zu erleben wie der Tag erwacht und das Licht immer voller wurde durch die aufgehende Sonne. Bei kühlen 11 Grad ging es los – three more riding days.

Vom jungen “Velopaar” haben wir gestern erfahren, dass die frontage road in einem sehr schlechten Zustand ist und so entschieden wir direkt auf die I40 zu gehen. Oh Schreck, das war nicht viel besser, denn die “shoulder” war wieder ein Schüttelbecher oder voll mit Kies und Müll. Aus Mangel an Alternativen zogen wir es durch und fuhren bis “Barstow”, was erst nach gut 80km kam. Zur Abwechslung gab es wieder einmal eine “Vollnahrung” aus dem McDonald. Es scheint, dass die beiden Chefs so langsam aber sicher auch Gefallen finden an diesem Food. Das Gute am MC ist, dass es immer ein offenes WIFI hat, so dass wir den gestrigen Blog noch raufladen konnten. Sorry für die Verspätung.

Auf der gutbeschrifteten Route 66 ging es von Barslow in Richtung Victorville. Diese Strasse war der Hammer, wie auf einer Achterbahn ging es sanft rauf und runter, so dass wir praktisch immer Vollgas geben konnten. So freudig das Velofahren war, so trist war das was wir neben der Strasse zu sehen bekamen. Die Gegend ist dünn besiedelt und wenn es Grundstücke hat, sind diese primär in einem erbärmlichen Zustand und überall liegt Müll herum. Ich kann nicht verstehen, dass soviel Müll liegen gelassen oder einfach aus dem fahrenden Auto geworfen wird. Es hat immer wieder Strassenabschnitte, die wieder in einem schlechten Zustand sind und unsere Hinterteile einmal mehr malträtieren, zum Glück sind diese nach so vielen Reisetagen bereits sehr robust – ist eben schon gut, wenn man diese jeden Abend und jeden Morgen schmiert und cremt.

Heute ist wohl die letzte Etappe, die es ohne Probleme zulässt, dass wir unsere Gedanken auf Reisen senden, während der Körper arbeitet. In diesem Zustand passiert folgendes:

Distanz und Zeit verschmelzen zu etwas kurzem und überschaubarem. Warum ist dem so, wahrscheinlich weil wir uns um nichts weiteres kümmern müssen, ausser dem Velofahren und dem Erreichen des gesetzten Ziels, doch nicht zu einer bestimmten Zeit.

Mit dem Erreichen von Victorville nach rund 140km, ist auch der Zeitpunkt erreicht, bei dem wir in den Grossraum vom Moloch Los Angeles eintauchen. Der Verkehr nimmt spürbar zu und alles wird hektischer. Heinz fuhr 30km voraus, um für uns ein Hotel zu reservieren und wir wollten ihm via Route 66 folgen. Denkste, kaum waren wir 5km gefahren stand eine Tafel am Strassenrand, das uns auf das Ende der Route 66 aufmerksam machte und wir sollen doch auf die I15 (ist natürlich eine Autobahn) gehen, denn diese führe uns zur Fortsetzung der Route 66.

Es ist uns schon klar, dass wir nicht mehr auf die Autobahn dürfen, denn die Schilder sind unmissverständlich, doch es ist der schnellste und einfachste Weg. Der Pannenstreifen war gute 2m breit und so wagten wir es. Die nächsten 20km ging es immer leicht bergauf, man merkte es fast nicht, denn der massive Verkehr auf der Autobahn lenkte entsprechend ab. Heikel sind jeweils die Autbahnein- und ausfahrten, denn dann müssen wir kreuzen und die Autos kommen teilweise schon sehr schnell und sind nicht immer gleich happy uns Velofahrer zu sehen. Mittlerweile sind wir aber nach einigen hundert Kilometer Autobahnfahren sehr geübt, um nicht zu sagen routiniert.

Kurz vor dem Ende des sanften Aufstieges auf den Cajon Summit, auf ca. 1’200 MüM, verliessen wir via Einfahrt die Autobahn und fuhren direkt in die Arme der Highway Patrol. Der Sheriff wollte wissen, ob wir die gewesen seien, die die letzten 20km auf der Autobahn gefahren seien und wir hätten doch sicher auch die grossen Verbotsschilder gesehen. Nett und freundlich erklärte unser CTO die Situation, von wegen Route 66 gehe via I15 und wir uns ja auch nicht wohl fühlen und ob er uns eine Alternative hätte. Gleichzeitig erzählten wir von unserer Reise und das war der Augenblick in dem er seine Sonnenbrille abnahm und uns freundlich und ungläubig anschaute. Ja eine Alternative gebe es nicht, im Gegenteil auf dem kommenden Abschnitt dürfen wir mit dem Velo auf die I15, was wir dann auch machten.

Es folgte eine Abfahrt, die wohl landschaftlich super war, doch velofahrtechnisch alles andere wie super – ein mega Schüttelbecher eben. Da wir ja nun noch mit mehr Speed unterwegs sind, sind die Schläge noch intensiver. Zum Glück waren es nur noch 8km bis ins Ziel, dem Best Western in Phelan. Leicht shaky aber sehr zufrieden über das Geleistete fuhren wir im Ziel ein. Schlossen den Tag mit dem obligaten (dem letzten, den das Pulver ist nun auch zu ende) Recoveryshake und dem Siegerbier ab. Das Nachtessen hatten wir vom Fastfoodrestaurant “Deltacco”. Noch vor zwei Wochen hätte ein solches Nachtessen ein Sturm der Entrüstung bei den Chefs ausgelöst, frei nach dem Motto, da werde einem die Energie fehlen am nächsten Tag und überhaupt…. Mittlerweile ist diesbezüglich auch eine angenehme Gelassenheit eingezogen im Team.

Es ist kaum zu glauben, noch zwei Tage oder knapp 140km trennen uns von Santa Monica – bald ist es vollbracht. An dieser Stelle danke ich allen, die uns aufmunternde Kommentare oder Mails schreiben und uns versuchen auf die kommenden Gefühle und Emotionen vor zu bereiten.

Hier ein Spruch, der stellvertretend sein soll:

Wenn ein Reisender nach Hause zurückkehrt,
soll er nicht die Bräuche seiner Heimat eintauschen
gegen die des fremden Landes.
Nur einige Blumen, von dem, was er in der Ferne gelernt hat,
soll er in die Gewohnheiten seines eigenen Landes einpflanzen.

Fazit:
Die wilde und verlassene Mojavewüste durchquert und die Grossstadt Los Angeles erreicht. Noch zwei Tage bis ans Ziel.

5 Antworten bis “31. Etappe – 177km, 1’224hm, gesponsert von Andre Rindlisbacher”

  1. Eveline sagt:

    Hallo Xavi und Boys

    Ich grüsse Euch herzlich vom sonnigen Oberstaufen. Ich mache hier ein
    verlängertes Wochenende.

    Ich schicke Euch die super natur Kraft von hier, für die lezten Meilen.

    Ihr lebt schon gefährlich auf diesen Autobahnen. Das wäre bei uns nie möglich.
    Geniesst die Freiheit die Ihr noch habt. In der Schweiz ist es wieder anders.

    Ich gratuliere Euch für Euere Leistungen all die Wochen !!!!!

    Und danke Euch für die super Berichte und Fotos.

    Noch viel Glück und gute Leistung. Freue mich auf die letzten Bericht.

    Xavi, nur fliegen ist schöner!!!!!!!!!

    Ganz liebe Grüsse an alle

    Eveline

  2. Rita sagt:

    Jaaa, fahrt noch gut und vor allem safe! Jetzt wirds dann hektisch und busy auf den Strassen!

    Take care und geniesst die Fahrt durch LA bis runter nach Santa Monica – oooh, ich wäre auch gerne mit dabei (ohne Velo)!!! Das Hotel ist ja auch ganz toll, mit der absolut richtigen Aussicht, da könnt ihr euch auf etwas freuen :-)

    Bis bahald back home sweet home, mir froiäd ois alli ganz gwaltig :-)

    Kussi
    Rita

  3. Hallo Jungs!!!
    Wieder ein grossartige Leistung auf ein gefährliche Strecke ,Ihr kennt keine Grenze .
    Wieder ein Super Blog und Wundebare Fotos such die Videos Sind grossartig .
    Ihr kommt Eure Ziel immer nähe ich freue mich für Euch.
    Xaver ich habe jede Tag genossen mit Eure Erlebnis und Kommentare jetzt freue mich auf dein Rückkehr
    Enyoy it !!!
    Freundliche Grüsse

    Antonio otero

  4. Marlis sagt:

    Lieber Xaver, was ist nun mit deinem Friseur- Besuch,findet der noch statt ????
    War mit Heidi am Rhein essen und wir haben mit einem schönen Weisswein auf Euch und Eure letzten Etappen angestossen.

    Wünschen Euch einen guten und pannenfreien Schluss-spurt,

    liebe Grüsse an alle

    Heidi und Marlis

  5. Pädi Rietmann sagt:

    Hey Folks, gerade gestern hat die Polizei einen Radfahrer bei Oberbüren ab der Autobahn gefischt. Fuhr noch nicht mal auf dem Pannenstreifen sondern auf der rechten Spur..So ein Depp; ich wäre wenigstens auf der Überholspur gefetzt;-)

    In Anlehnung an das Reisezitat mit den Blumen von Sir Francis Bacon noch was Kluges aus der Feder Goethes: “Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.”..und der fuhr noch nicht mal Fahrrad. Aber Lao-tse war Chinese und der radelte ganz sicher: “A good traveller has no fixed plans and is not intent on arriving.” So, jetzt habt ihr auf den letzten Meilen noch was zum Hirnen..

    Und nun noch ein Aufruf an alle Fans: Aus sicherer Quelle weiss ich, dass die Kerle am 19.10. um 15.45 in Zürich landen. Wäre doch schön, wenn möglichst viele von uns da sind, nicht? Ich bin mir sicher, dass so etwas Freude macht..Gibt Bohnen für ein halbes Leben;-)