Movie = 1st Day in CaliforniaThe adventure goes on! Die Wüste meinte es sehr gut mit uns.

Start: Las Vegas NV
Ziel: Ludlow CA
Fahrzeit: 5:56
Ankunftszeit: 17h15 Ludlow CA
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 149 // Xaver: 3’287 & Wolfgang: 2’233
-Young Boys: 149 // 4’854

Wie hat es doch gestern gewittert und geregnet in Las Vegas? Heute Morgen erschien alles ganz klar und sauber. Um 07h30 war take off mit dem Camper in Richtung Jct 95/66. Mit einem tränenden und einem lachenden Auge fuhren wir vom Bellagio weg. Was erwartet uns in der Wüste, der Wüste ausserhalb der 2.2 Mio. Metropole Las Vegas, die einem vergessen lässt, dass es noch eine Natur gibt?

Mit einem “Schleicher” bei mir ging es los, dh. der Schlauch verliert langsam aber sicher Luft und darum musste vor dem Start noch ein Schlauchwechsel gemacht werden. Um 10h00 fuhren wir los. Ich übernahm die erste Ablösung und es dauerte einige Zeit, bis die Beine wieder so richtig “drehten”, das hatte aber auch damit zu tun, dass es immer etwas bergauf ging und wir etwas Gegenwind hatten.

Die Temperatur war einfach ideal, nie mehr als 24 Grad und das in der Wüste. Aus dem Buch Route 66 von Dres Balmer erwarteten wir eine Glutofen, doch dem war nicht so. Im Gegenteil, wir mussten auf der Strasse immer wieder vom Regen angeschwemmten Kies ausweichen oder gar unsere Velos darüber tragen. Es ist schwierig sich vorzustellen wie das ist in der Wüste bei einem Gewitter. Auf jeden Fall waren wir sehr froh, dass diese Kühle noch immer in der Luft hing und die vielen Wolken uns einerseits vor der Sonne schützten und andererseits wieder eine wunderschöne Kulisse bildete. Apropos Kulisse: wir hatten wieder einige Rennen mit den langen, sehr langen Zügen der BNSF, die uns hupten und teilweise im gleichen Tempo begleiteten. Spannend war es, wenn die sechs Lokomotiven neben uns fuhren, sehr viel Lärm machten und es mit jedem Meter Abstand leiser wurde, denn wenn der Zug so langsam fährt, dann machen die Wagons auf den Gleisen fast keinen Lärm. Auf der Strasse war sehr wenig Verkehr, doch auf den Schienen schon, sie kamen und gingen in beiden Richtungen.

Die Etappe war gut 150km lang und wir passierten nur gerade vier Orte mit wenig bis gar kein Leben: Goffs, Essex, Cadiz und Amboy. Diese Orte haben definitiv bessere Zeiten erlebt, einerseits als Wasser-Füllstationen für die Züge und andererseits als die Route 66 noch die einzige Verbindung nach L.A. war. Heute sieht man primär Zerfall, Hoffnungslosigkeit und das einzige intakte scheint die Strasse, die Leitplanken und die Natur zu sein. Der Route 66 Mythos ist hier definitiv gestorben und ob dieser je wieder auflebt, wie dies in anderen Gebieten geschehen ist, ist mehr als fraglich.

Und ja, hier auf dieser Strasse sieht man die grössten aufgemalten Route 66 Zeichen, die praktisch die Grösse einer Strassenseite haben und ideale Fotosujet ergeben, da diese oft vor oder am Ende vor Aufstiegen oder endlosen Geraden aufgemalt sind und so super wirken. Wahrscheinlich sollen diese Sujets von der Strassenqualität ablenken, was wohl bei den Autofahrer gelingt, doch bei uns Radfahrer geht es nicht, denn wir spüren es einfach zu hautnah.

Wir überwinden eine Bergkette (sind jeweils nicht sehr hoch, ja kaum spürbar) nach der anderen in sanft dossieren Auf- und Abfahrten und erreichen “Ludlow”. In “Ludlow” ist das erste Motel seit dem Start und es ist ein richtiges Kaff, das zuviel zum Sterben hat, aber auch viel zuwenig zum Leben. Es besteht aus einem Güterbahnhof, einer Tankstelle, einem Motel und einem Restaurant, das bereits um 18h00 schliesst. Wir schafften es gerade noch zum Nachtessen. Wir trafen ein junges Paar, das auch mit den Velos unterwegs ist, doch viel abenteuerlicher als wir. Alles scheint sehr improvisiert zu sein, doch ganz und gar nicht minder happy. Wir assen zusammen Burger und plauderten über die USA und deren Politik. Die beiden sind aus dem Bundesstaat Washington und haben als Ziel den Grand Canyon, wo sie einen Job im November antreten werden. Wir bewunderten ihre unbekümmerte Art und Weise zu reisen und die uns wieder einmal bewusst machten, dass Glück nicht mit Luxus und Geld gekoppelt ist.

Wir mussten noch einige Reparaturen an den verschiedenen Reifen und Pneus vornehmen und da es in diesem Ort kein WIFI hat, hatten wir plötzlich sehr viel Zeit. Den Blog konnten wir wohl vorbereiten, doch für mehr reichte es leider nicht und so war früh Nachtruhe – auch nicht schlecht.

Fazit:
Zum Glück hat uns die Wüste geschont in Bezug auf Hitze und Wind. 150km und praktisch kein Leben. Ludlow ist wohl einer der ganz wenigen Orten in den USA, die kein WIFI haben.

Kommentarfunktion geschlossen.