In Las Vegas angekommen – Arizona durchquert.

Start: 08h30 Kingman AZ
Ziel: Jct 95 & 66 CA
Fahrzeit: 5:15
Ankunftszeit: 16h00 Jct 95 & 66 CA
Gemachte KM pro Tag // Total:
-Old Boys: 131 // Xaver: 3’178 & Wolfgang: 2’144
-Young Boys: 131 // 4’705

Arizona: 672 km, 3’939 hm ist durchquert und wir sind nun in Californien, dem letzten Bundesstaat angekommen und es stehen nur noch vier Velofahrtage an. Doch zuerst machen wir einen Abstecher nach Las Vegas, dem richtigen, im Bundesstaat Nevada.

Vom Hotel in Kingman aus geht es gemächlich bergab bis wir rechts weg müssen auf die Route 40, die uns aus der Stadt führt. Wir verlieren mit jedem Kilometer weiter an Hohe bis wir nur noch auf gut 560 MüM sind und wissen genau, dass wir das alles wieder hinauf müssen.

Mit einem Mal hat es praktisch keinen Verkehr mehr und wir folgen einer endlosen Strasse, die uns direkt an eine Bergkette führt und uns wird klar, da müssen wir rüber. Mittlerweile ist es bereits gegen 30 Grad warm und die Landschaft verändert sich wieder. Es wird wilder und verlassener mit viel Geröll und Kakteen. Wir sind umgeben von Bergketten, die wie Dunst sich erheben und man sich schon fragt, wie die Menschen früher diese Hindernisse überwunden haben.

Bevor die quasi richtige Bergstrasse beginnt, hat es noch eine alte Tankstelle, die mit vielen Raritäten und Spezialitäten der Route 66 verziert ist. Wir lassen es uns einmal mehr nicht nehmen auf Touristen zu machen und eine Serie von Fotos zu schiessen für uns und die Nachwelt.

Dann nehmen wir den “Sitgreaves Pass” in Angriff – ein absolut faszinierende Landschaft offenbart sich uns, die sich mit Worten nur sehr schwer beschreiben lässt und darum erlaube ich mir auf die Fotos zu verweisen. Nur soviel: diese steilen Serpentinen ähneln einem Pass in der Schweiz und frühen uns auf 3’550 Fuss hoch – 1’082 MüM. Oben angekommen sieht man am Horizont in die Mojave Wüste und es steht eine rasante Abfahrt an, die uns nach “‘Oatman” führt.

In Oatman ist “Mufintime”. Es sieht aus wie in einer Wild West Stadt um die Jahrhundertwende, einfach mit vielen Touristen, die aber meistens von der kalifornischen Seite her hinauf gefahren sind. Einmal mehr waren die einzigen Biker, die wir gesehen und getroffen haben die Harleyfahrer! Wer fährt schon Velo in dieser Hitze und dann noch über einen Pass?

Es ging weiter bergab und wir mussten einmal wegen einer kleinen Herde Esel anhalten, die hier oben frei herumlaufen und geschützt sind. Die Landschaft verändert sich abermals: karg, felsig mit vielen Kakteen, die gelbe Blüten haben und es sah immer mehr aus wie auf einem Vulkan oder wie auf dem Mond. Ringsherum sieht man Gebirgszüge und weite Ebenen. Pro 100 Hm, die runter fuhren, wurde es um ein Grad heisser und der Wind, der Gegenwind, nahm zu. Wenn man den Mund etwas zu lange offen hatte, trocknete dieser aus und man musste sehr bald etwas Flüssigkeit aus dem Bidon nehmen. Es ist wie immer in diesen Situationen: zuerst ist Genuss (man fährt elegant und lässig den Pass hinunter), dann kommt die Arbeit und der Fleiss (fahren mit Gegenwind) und dann das Zählen der Kilometer bis zu unserer Oase mit Heinz.

Kurz vor “Topock” treffen wir Heinz und es ist bereits 38 Grad heiss. Nächstes Ziel ist “Needles”, das als einer der heissesten Orte in den USA gilt. Was für ein erhebendes Gefühl, als wir den Rio Colorado überqueren. Es ist Zeit für ein Bad. Wir fahren an einen öffentlichen Strand, sind ganz alleine und gehen baden. Das Wasser ist so erfrischend, geschätzte 22.5 Grad, kristallklar und man glaubt es kaum, man findet Muscheln. Wir springen in den sanft fliessenden Fluss, lassen uns treiben und erfrischen uns von aussen und von innen – es wird dem Fluss nachgesagt, dass er eine reinigende Wirkung hat. Ist man draussen, geht es nur wenige Minuten und man ist wieder ganz trocken, so warm blässt der Wind. Ich hätte noch Stunden dort verbringen können, doch der CTO drängte zur Weiterfahrt.

Kurzes Stück auf der Autobahn I40 und dann weg auf der Route 66 in Richtung Norden bis zur Jct 95 & 66, wo Heinz bereitstand mit dem Camper um zu verladen, damit wir nach Las Vegas fahren können. Es waren wohl nur gerade 30km, doch bei einer Hitze, die mittlerweile 40 Grad erreicht hat und der Tatsache, dass es wieder bergauf geht, machte das Ganze zu einem anstrengenden Unterfangen. Mir kommen diese Situationen vor, wie wenn die Sonne untergeht und es langsam aber sicher dunkel wird – genau so ist es mit unserem Energiespiegel. Die Gruppe wird immer leiser, man fährt nebeneinander, ist in seinen Gedanken versunken und hofft sehr bald am Ziel zu sein, damit die z.T. bedenklich leeren Tanks wieder gefüllt werden können.

Wir nehmen uns nun ein zweitägiges Timeout in Las Vegas und werden uns erholen für den Endspurt nach Los Angeles unserem grossen Ziel. Statt wie im Film Hangover werden wir in Las Vegas Sleep- und Relaxover haben. Für die Old Boys ist es eine Premiere in Las Vegas und die werden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, insbesondere nach diesen Tagen in der Natur und den unendlichen Weiten.

Unser Ziel war das Wynn, doch die hatten bereits eine Auslastung von 96%, ergo waren uns die Zimmerpreise viel zu hoch. Wir waren alle noch im Velodress, mit dem Camper unterwegs und mussten uns nun also auf die weitere Suche nach drei Hotelzimmer machen. Es ist schon speziell, wenn man bei einem solchen grossen Hotel vorfährt und dann nach Hotelzimmer fragt. Well – it worked, wir fanden Zimmer im “Bellagio” und sind sehr happy. Dann kam das Bild für die Götter: wir mit den Velos, Gepäck und in den Velodress liefen wir durch das ganze Hotel zu den Liften. Man schaute uns an wie Ausserirdische und einer Dame von der Security war das wohl zuviel und hielt uns an. Markus konnte sie aber von unseren guten Absichten überzeugen und so ging unser Spaziergang weiter durch das Bellagio – es wird unvergesslich sein.

Das Nachtessen nahmen wir im “Mon Ami Gabi” ein – sehr gut. Wolfgang war in einer super Laune, denn er hatte heute erfahren, dass er die Titelseite der Schweizer Illustrierten ziert und wieder 18 Punkte erhalten hat von “Gault Millau” und ganz besonders stolz ist er auf die 16 Punkte von seinem Sohn Christian (letztesmal waren es noch 15) – ja wir genossen, den von ihm offerierten Wein in vollen Zügen und gratulieren ihm (in Absentia auch Christian) ganz herzlich zu dieser super Leistung.

Fazit:
Pass bezwungen, grosse Hitze, Baden im Rio Colorado, Ruhetage in Las Vegas stehen an.

11 Antworten bis “29. Etappe – 131km, 1’000hm, gesponsert von Daniel Wagner”

  1. Stephen Oliver sagt:

    Well done – Team JMZ – Congratulations on crossing Arizona and the Colorado River and arriving in Needles, California on the edge of the Mojave Desert. It was a treat for you to see the wild burros. It was also quite a day going from the incredible beauty of the desert in Arizona to the glitter of Las Vegas. I am pleased to know that you are staying at the Bellagio, where all of the famous people stay. Enjoy Las Vegas – get some rest, a good massage, some great meals and wine and have fun. Life is too short to smoke a bad cigar, so find a special bench and smoke a great cigar. Soon enough you will be back on your bikes for the final leg of your adventure. Enjoy every moment and celebrate all that you have accomplished. Well done. Be well. Best, Stephen

    • Marc sagt:

      How true Steven! That change from the Arizona desert into the artificial world of Las Vegas wouldn’t be my kind, but who knows what it would be like after a couple thousand miles on a bike…

      He Boys, enjoy the glamour and rest well, it’s going to be over too soon anyway!

      Congrats for what you have achieved so far!
      Marc

  2. Alice Siegrist sagt:

    Hallo Isi. Han scho lang nüme sooo strami Oberschenkel gseh:-) Jetzt händer en Pause verdient. Isch so interessant eue Reisebricht. Take care uf de letschte Streckene. Kiss Alice

  3. Wale und Marlies Keller sagt:

    hallo liebes Team ,

    Super , ja einfach genial was ihr jeden Tag leistet und die
    Berichterstattung so ” guet ” die Photos sind immer so super .
    Den beiden Chef’s möchten wir herzlich gratulieren , Wolfgang
    natürlich zu seinen 18 Punkten eine tolle Leistung und Xaver als bester Lehrmeister
    von Christian — der auf dem Weg ist zu einem ganz ” Grossen ” .

    Mit lieben Grüssen und gute Weiterfahrt

    Wale und Marlies

  4. Rita sagt:

    Lieber Andreas, hallo Team

    Ihr habt euch jetzt das Beste vom Besten verdient für die beiden Ruhetage :-) Geniesst das pulsierende Leben in Las Vegas und vor allem viel und gute Erholung.

    Die wilden Esel sind ja allerliebst!! Wow, das wusste ich gar nicht, dass sie dort noch wild leben und geschützt sind.

    Wie immer tolle Bilder und ein super Bericht – Andreas, du machst das einfach genial :-) Ich bin wirklich sehr stolz auf dich!!!

    Liäbs Grüessli us äm grauä Güätighusä,
    Rita

  5. christian sagt:

    vegas baby!!! enjoy pap!!! und denn en guete schluss spurt, uf dass alles wiiterhin so guet lauft;-)))

    christian

  6. Barbara sagt:

    Hallo Markus and friends
    es ist wieder soooo spannend……………..die Berichte sind jeweils sensationell geschrieben und die dazugehörenden Fotos sind so toll und vielseitig wie euer ganzes Unterfangen.
    Wir alle freuen uns auf eure Rückkehr, aber was mache ich nur ohne die spannenden täglichen stories?
    Es ist wie bei einem guten Buch, bin jedesmal etwas traurig, wenn ich es zu Ende gelesen habe.
    Euch allen wünsche ich erholsame und erlebnisreiche Freitage in Las Vegas und tüend nöd z’wüescht!

    Liebe Grüsse aus dem Sch….wetter
    Barbara

  7. Sigi sagt:

    Lieber Sportof und Judoka Iceman

    Alice und ich sind mächtig stolz auf Euch, speziell auf Dich. In Las Vegas angekommen bitten wir Dich im Casino 100 Dollar auf rot für uns zu setzen. Wenn schwarz kommt, gilt “Scheisse mit EI”! Während Du am radeln bist “radle” ich im Büro sowie an GP-Strecken und denke oft an Dich. Geniesse die Zeit und die Erlebnisse, welche Dir im Leben niemand mehr wegnehmen kann. Ich hoffe, dass Dein Gesäss den Ansprüchen gewachsen bleibt bzw. Du das Melchfett nicht benötigen wirst. Eins garantiere ich Dir, im nächsten Jahr werde ich mit Dir einige Schweizer Pässe befahren bzw. beradeln. Es muss keine USA-Landschaft sein um cool durch die Natur zu pedallieren. Ich wünsche Dir und Deinen Freunden – spezieller Gruss an Bidi the showman – eine weitere gute Fahrt in Richtung Ziel. Das beste Doping ist ein Bier am Abend. Bleibt gesund und nehmt keine “Schokolade von fremden Weibern”. Denn es gilt:” Ist das Wetter in den USA trübe, sind deren Weiber prüde”!!

    Herzliche Grüsse aus der nass-kalten Schweiz, Dein Sigi san

  8. Eveline sagt:

    Hallo Xavi und Boys

    War wieder eine tolle Leistung von Euch, macht weiter so.

    Die Gegend ist phanthastisch, aber die Hitze würde ich nicht vertragen.
    Bewundere Euch, wie Ihr die Höhe und die Hitze schaft. Einfach toll.

    Auch die Esel sind lustig, da warens auf einmal vier mehr, ha, ha. Nur Spass.

    Ihr in den Badehosen, mit den braunen Beinen und Ärme könnten glatt als Model
    nach LA gehen.

    Ich gratuliere Wolfgang ganz herzlich zu seinen 18 Punkten und auch Christian
    herzlichen Glückswunsch. Schon einmalig so eine Leistung,

    Erholt Euch gut und geniesst die Tage !!!!!!

    Gute Weiterfahrt, kommt gut ans Ziel.

    Ganz liebi Grüessli von der kalten Schweiz

    Eveline

  9. José & Fernanda sagt:

    Hallo Lieber Xaver und Co.
    Herzlichen Glückwunsch für eure tolle Leistung und Mut.
    Wir wünschen euch noch viel Erfolg für die letzten Etappen! Ich freue mich jetzt schon drauf, mit dir diese geniale Leistung bei einem Schlückchen Rotwein zu feiern.
    Liebe Grüsse
    Deine Freunde
    José und Fernanda